Irgendwie so

Ich gehe ja beständig falsch vor. Ich habe erst eine Meinung und dann vielleicht auch irgendwann mal eine Ahnung, von dem was ich meine. Und wirklich Ahnung von sich entwickelnden Themen, die echte Expertise, hat man ja nie oder um, meinen Lieblingsfilm, zu zitieren: „Fühle dich nie komplett“. Vor der Meinung steht dann erst noch ein Gefühl, was gerne durch Verkäufer von Produkten, wie Meinungen, angetriggert wird.

Mein Gefühl sagt mir, dass die Facebook-Zensur nicht gut ist, weil diese willkürlich nach den Netzwerkstandards passiert und weil dafür schlecht bezahlte nicht lokal verwurzelte Personen in einer Art true false Entscheidung dran sitzen. Erlaubt, Nicht Erlaubt.

Die Bild- und Sounderkennungsmaschine, die Algorithmen dies machen zu lassen, welche Fehlerquoten haben und und bald Letzte-Instanz-Verantwortung tragen werden: „Computer says: NO“ ist weder bei Kampfdrohnen noch der Rasterfahndung eine gute Idee. Berichte über aus Versehen einprogrammierten Rassismus gibt es schon jetzt. Versteht man die Sprache als Lerninput, dann werden wir auch dort die Rollenvorurteile mit in die entscheidungsempfehlenden Programme einspeisen und immer falsche Ergebnisse und Empfehlungen erhalten. Das braucht aber noch Dekaden bis realisiert wird, dass dies von Anfang an keine Optimierungssache, die bessere Formeln und differenzierte Daten braucht, sondern ein prinzipieller Denkfehler, war.

Das nächste Level ist dann, nicht wirklich zu realisieren, dass eine statistische Wahrscheinlichkeit, dir die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unmöglich macht, weil der zukünftige Vertragspartner dich ablehnt, dieser sich aber vorher in Auskunfteien erkundigt hat und darauf seine Ablehnung begründet.

Du erfährst nicht unmittelbar, dass im Hintergrund schon ein Datennetzwerk mit sortierenden Formeln wirkt.

Das angelegt wurde, weil alle glauben Daten seien das klebrig anheftende, umweltzerstörende Öl des 21. Jahrhunderts.

Wir sitzen in so einer westlichen HappyWorldBlase.

Was die sozialen Netzwerke betrifft.

Uns erreichen zu wenig Abbilder von dem Leid, was es wirklich anzuprangern gilt, dass wir Zeit für unsere eigenen lokalen Themen haben. Ich sehe relativ, wenige Livebilder aus dem größten Flüchtlingscamp der Welt.

Mich interessiert nicht das Einzelne abgebrannte Haus und die aktuelle Anzahl der Toten bei diesem bebilderten singulären Event, sondern die Anzahl aller Häuserbrennde und Feuer- bzw. Rauchtoten im Jahreszeitraum, in der Region.

Gehört es nicht zum guten Journalismus, in der Tagesschau, nicht nur von dem einen aktuellen Brand zu Berichten sondern, ein Kontext zu liefern.

Welchen Zweck bedient die Information zu einem einzelnen Unfall, Raub oder Brand? Wir wissen doch was schädlich ist, die Frage ist doch welche Größenordnungen liegen hier vor? Scheiß auf den einen Industriebrand ich will wissen, wie oft das passiert.

Das gilt auch für den Lokaljournalismus, über Autounfälle und Gewaltdelikte in der Region berichten, schön und gut aber so ein wenig Kontext, der über den Einzelfall hinaus Zahlen und Statistiken liefert, ist eigentlich dringend geboten.

Das gilt auch für gemeldete Einbrüche und dokumentierte Gewalttaten. Zeitungen analysieren online ihre Nutzer und Leser vergessen aber an einzelne Berichte dran zu schreiben, der wievielte alkoholisierte Fahrer oder dokumentierte Alkoholfahrten in der Region, dem Bundesland oder der Stadt, dem Verwaltungskreis, es dieses Jahr nun als Nachrichten auf das Onlineangebot oder in die Zeitung geschafft hat. Die Polizei ist eigentlich keine neutrale Quelle um Vorfälle wieder zu geben, die haben eine ebenso subjektiv getrieben Teilnehmerperspektive, wie Beobachter oder Involvierte. Dort aktuelle einzelne Vorfälle abzugreifen ist kein guter Journalismus.

Deren dargestellten Arbeits- und Kriminalitätsstatistiken divergieren mit den subjektiven berichteten Fällen und mit den juristischen Urteilen. Wir haben hier also wenigstens Drei ganz unterschiedliche Perspektiven auf die „Bedrohung“ durch Eigentumsdelikte, Gewalt und andere Gefahren oder gesellschaftliche Phänomene. Ich muss hier also von der gewollten Emotionalisierung ausgehen, die einen ja nicht unbedingt immer zu den rationalsten Urteilen führt, zu einer richtigen Beurteilung eines Problemfeldes. Mich erschrecken Lokal- oder Landespolitiker die schärfere und härtere Strafen fordern, reflexartiger Bullshit der die Person eher auf meine persönliche Blacklist setzt als zum Wählen animiert.

Die aufregenden subjektiven Einzelfälle die in den sozialen Medien geteilt werden, von denen aus die kommentierenden oder still konsumierenden Rezipienten eine Generalisierung betreiben sind also das perspektivische Problem. Überall Kinderschänder und kriminelle Ausländer hier, Es wird ja alles immer schlimmer, wir sind hier unterwandert bla bla blub.

Die Emotion ist schneller zur Hand als die Ratio. Die Emotion funktioniert unmittelbarer und wenn man ein wenig eindimensionalen Kontext schafft, wie die Akkumulation aller, sagen wir Tierqualgeschichten, entsteht der Eindruck eines extrem durchdringenden Problems. Nach der Emotionalisierung, sollte dann aber irgendwann auch die Aktion und die Validierung des ersten Impulses kommen.

Das ist der eine Teil. Der andere Teil ist das Löschen, der Netzwerke bevor es einen Einfluss auf die User und deren algorithmische Blase haben kann.

Es gibt Enthauptungsvideos die nur zur Provokation und für das Bedrohungsgefühl erstellt wurden. So fern man das Kategorisiert und mit Metadaten wie Beteiligte, Ort, Tag und Uhrzeit versieht also dem dokumentierten Mord oder der Zerstückelung, wie bei „1 Lunatic, 1 Ice Pick“ einen Kontext zur Seite stellt, könnte man das Cleaning doch sein lassen.

Ich hab kein Recht an dem Exekutionsvideo, durch Erhängen, von Saddam Hussein die Frage ist ob es in irgend einem Kontext legitim ist dieses Video vor zu halten. Bei Facebook hochladen und Teilen geht also aus mehr als einem Grund nicht. Ich habe weder ein Recht an dem Video noch würde es durch die Filter, die reale Menschen bilden, schaffen. Plus meinen eigenen sozialen Filter.

Sobald du also das Recht am Bild geklärt hast bist du schon mal einen Schritt weiter. Da weder von einem verunfallten, eingeklemmten LKW-Fahrer, im deutschen Straßenverkehr noch von dem Enthaupteten eine Einwilligung zur Verbreitung vorliegt, es sei denn ich verpixel das Gesicht des enthaupteten oder verunfallten Fahrers. Bleiben Tiertötungsvideos, Operationen, Entbindungen und Pornografie, als auch Musik. Nicht jede subjektiv erlebte emotionale Aufregung muss das Netz verlassen oder in das Netz hinein.

Geld ist ja ein Berechtigungssystem, welche ein Identifizierung des Zahlenden, Abwickelnden und Empfangenden benötigt. Cryptowährungen und Piraterie, ist jetzt momentan kein Thema und mal ausgenommen. Für kritische Inhalte bei Facebook und in den sozialen Medien sollte es also eine Identifizierung geben müssen alleine um das Alter, zu validieren.

Jetzt gibt es das Internet und die sozialen Netzwerke schon einige Zeit und eine gewissen Entwicklung ist zu beobachten. Der amerikanische Staat veröffentlicht Fotos von verurteilten Sexualstraftätern, was ich für fatal halte dar keine Tat, einen ein Leben lang, ausser im eigenen Gewissen, verfolgen sollte. Bedenklich und kurios wird es erst sobald die Bilder und Personen in die Hunderttausende gehen. Also durch die schiere Menge an online ausgestellten Personen, wir wieder bei meiner Forderung nach dem Kontext landen, den die sozialen Gruppen in denen man sich auch online bewegt bilden.

Wenn ich in meinem sozialen Netzwerk Operationsvideos teile, weil ich es interessant finde, wie man einen Blinddarm entfernt, dann bekomme ich sofort das soziale Korrektiv zu spüren dar ich das nicht in der Whatsappgruppe von Medizinstudenten bzw. Ärzten teile und dort nach anderen Quellen, mit der neueren Operationstechnik, fragen kann.

Je nach Berufs- oder Interessensgruppen und allen anderen vernetzen Gruppen in denen ich mich bewege, ist es also kontextabhängig und das soziale im Netzwerk funktioniert. Einige würden meinen Newsfeed auf Facebook nicht folgen, wenn ich dort nur Spinnenbilder und Insektenstorys teilen würde, andere schon. So bald, ich meine Exfreundin, die mich mehrmals geschlagen hat, endlich verlassen konnte, darf ich meine subjektiven erlebten Erfahrungen doch teilen, die Frage ist nur mit wem und wer interessiert sich dafür. Bisher funktioniert der soziale Filter doch ganz gut. Warum da außenstehende Personen involvieren oder Programme.

Warum sollten sich Menschen durch das Internet nicht genauso radikalisieren, wie sie dies früher ohne das Internet gemacht haben? Warum sollte es mehr oder weniger Liebe, Respekt und Diversität geben als früher, gefördert durch die „reale“ Welt und Gruppen in die man geraten und auch wieder heraus finden kann? So wie ohne online Netzwerk auch.

Kann es sein, dass der einzige Unterschied, den das Internet und die sozialen Netzwerke machen, der ist, dass das was eh schon dar war abgebildet wird?

Entweder wir glauben also an den sich vernetzenden Menschen, der Quellen und deren Verbreiter hinterfragen kann, also an die Vielstimmigkeit oder wir Zensieren es weg und auch dies wird bemerkt werden.

Wie willst du etwas Ächten was du nicht kennst, von dem du keine Kenntnis hast?

Meine Gedanken zu den vielen Themenfeldern sind noch nicht durch. Schaue ich mir die Berichte aus und über Polen an, hoffe ich, dass keine ausgrenzende Extreme dauerhaft Bestand haben kann. Selbstzensur ist wirksamer als externe Zensur. Das Netz und die Vernetzung ist nur Vehikel und in seiner extremen und einseitigen nicht auf der Realität basierenden Nutzung, wie jede Droge deren Dosis das Gift macht.

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