Shutdown

Freeze. Stop don´t move. Rien ne va plus !

Ich musste mich mal mit Kaschmir beschäftigen. Die News dazu waren zu interessant.

In HongKong, Moskau und Bukarest gibt es momentan Proteste und aus einer diktatorischen Perspektive, will man das nicht. Daher setzt man staatliche Vasallen ein, sei es Polizei, Geheimdienst, Militär oder kurz Sicherheitskräfte. Und je nach Ausgestaltung der Medien in der jeweiligen Region versucht man der Sache eine Framing oder einen Spin zu geben.

Die Machtpolitik die in Kaschmir durch Indien ausgeübt wird ohne, dass es akute anhaltende Proteste oder Demonstrationen gab, ist aber universell anwendbar. Die haben die Sicherheitskräfte erhöht, die Touristen nach Hause geschickt, die Straßen gesperrt, eine Ausgangsperre verhängt und für bedeutender Personen, wie Lokalpolitiker ein Hausarest ausgesprochen. Dann ist das Fernsehen  und das Internet abgeschaltet worden.

Ja das ist nicht lustig aber bei uns steigen 9 Monate nach einem Stromausfall die Geburten.

Chinas Zensurpolitik ist bekannt aber Fernsehen und Internet in einer Region komplett abklemmen – Berlin hat 3,7 Millionen Einwohner, im Kaschmirtal sind etwa dopplet so viele Menschen 6,9 Millionen.
Internetshutdowns sind in Indien nicht so selten in Kaschmir alleine ist das jetzt etwa das 180 Mal. Der längste 2016, war 133 Tage.

Da Indien eine Demokratie ist die momentan eher von einer rechts-hinduistischen Mehrheit regiert wird haben sie diese Abreiegelung vor der verkündeten Strukturreform, des Distriktes „Bundesland“ J&K, vorgenommen. Inhalt der Reform ist eine veränderte Siedlungspolitik, Hindus dürfen wohl in Zukunft Besitz in den primär muslimischen Gebieten erwerben und die föderale Aufteilung des Destrikts wurde geändert. Pakistan das sich als Führsprecher der Muslime begreift, war natürlich sauer.

Die Artikel der NYTimes dazu waren gut, da sie Leute vor Ort haben, die aktuelle Podcastfolge vom TheDaily erklärt eigentlich fast alles.

Pakistan mag nun nicht eines der friedlichsten Länder und internationalen Sympathieträger sein aber das berechtigte Interesse an der eigenen Wasserversorgung, für die Landwirtschaft über den Indus und damit auch an der Kontrolle der Quellen, darf man Pakistan durchaus zusprechen.

Nach dem Wasser kommt der Strom bzw. die Energie und im Norden Pakistans vermehrt Wasserkraftwerke zu bauen, so wie Indien dies in der Region Jammu macht, wäre auch für Pakistan sinnvoll. Sofern Kapital vorhanden. Einer erneut vermittelnden Weltbank sollte vor dem Hintergrund des Klimawandels also auch an der pakistanischen Stromgewinnung durch Wasserkraft gelegen sein.

Die Frage wer der Stärkere ist, um die eigenen Interessen durchzusetzen, könnte man anhand vieler Kriterien, wie dem MilitärBudget versuchen zu beantworten. Jenachdem ob man Kaschmir nun zu Pakistan zählt oder nicht ist die grobe Größenordnung 210 Millionen Pakistaner und 1,339 Milliarden Inder. Den Minderheitschutz können also Tendenziel eher die Pakistaner für sich beanspruchen.

Auch, wenn es historisch konkret um die Flüsse Sutlej, Ravi, Beas, Jhelum und Chenab also das Wasser und damit um die Gebiete und deren Kontrolle ging. Ist das Kaschmirtal aus der Luft, eine beeindruckende Formation.

NASA

In diesem Tal leben 7 Millionen Menschen. The Valey of Kaschmir ist eigentlich nur Interessant, weil dort eine muslimische Mehrheit existiert die aber von Indien kontrolliert wird. In Srinagar gibt es Unis, Krankenhäuser und YogaSchulen und wenigstens eine christliche Kirche also es ist nicht so das dort nicht friedlich zusammen gelebt wird und man sich dort nicht aufhalten kann als Besucher und Tourist.

Einem Ideal nach ist es doch egal ob Hindu oder Muslim, Christ oder Humanist, Angst um die eigene Identität sei es als Deutscher oder Muslim ist gefühlt dann doch etwas gestrig. Ein wenig, wie die Behauptung der Umvolkung, die bei uns rechte Kreise im Munde führen.

Momentan stellt es sich so dar, dass Pakistan Terroristen tolleriert, zumindest war das die Behauptung der indischen Regierung: Ihr födert Anschläge in den von uns verwalteten Gebieten, durch Trainingslager auf euren Gebieten.

Der Hinterhalt ist das militärische Mittel der Wahl, ist man in Unterzahl. Begreift Pakistan sich weiterhin im Krieg um diese Region, hätten wir den schuldigen Agressor gefunden. Zählt man die toten Terroristen:

 

CC BY-SA 4.0

Nach einem Peak 2001, wo jemand zwei Türme zum einstürzen brachte, den man später in Pakistan fand sind immer mehr Terroristen als Sicherheitskräfte ums Leben gekommen.

Die Bedenken die Pakistan jetzt, nach der föderalen Struktureform durch Indien befürchtet, ist dass die eingefrorene Siedlungspolitik die die muslimische Mehrheit garantierte, geändert wird.

Der bislang gewährte Sonderstatus legt fest, dass Menschen aus anderen Landesteilen Indiens in „Jammu und Kaschmir“ kein Land und kein Eigentum erwerben dürfen. So sollen insbesondere Hindus davon abgehalten werden, in die Region zu ziehen. Ähnliche Regelungen gelten auch in anderen Teilen Indiens, womit wiederum die Ansiedlung von Muslimen verhindert werden soll.

Indien ist stärker aber sind sie auch der jetzige Agressor oder einfach nur der machtpolitisch Zuständige, vergleichbar mit einem Staat der sein Sicherheitspersonal in Form von Polizei/ Militär erhöht, um Tote zu vermeiden? Indien ist eine Demokratie mit vielen Distrikten, dem Selbstverständnis nach gehört Indien die Region J&K und sie reformieren diese gerade. Die mediale Mehrheit in Indien also auch die Opposition spricht sich wohl für die stärkere Implementierung der Region also für diese Strukturreformen aus.

Die Entmachtung der lokal gewählten Vertreter hat vorher schon stattgefunden und wie im indischen Fernsehen diskutiert wird werden sich die Gerichte in Indien lange Zeit damit beschäftigen.

/edit macht den spannenden Hinweis auf die Region Ladakh die bedingt durch die Struktureform, sehr wahrscheinlich ruhiger wird und auch die pakistanische Region Gilgit-Baltistian steht ja nicht zur Dispusition.