Sach ma Dieter

Jemand der ein Buch über Solidarität in ihrer Substanz, in ihrer alten und wünschenswert neuen Ausformung schreibt und keine Nähe zu Gewerkschaftern oder der SPD im persönlichen politischen pflegt, hätte mich auch verwundert. Ich bin Philip Banse natürlich extrem dankbar für das geführte Interview und natürlich ist die Solidarität in der durchdringenden Form in der Heinz Bude sie formuliert ein schöner aber doch gefühlt utopischer Zustand nach dem man streben kann. Trotzdem trieft es so nach einer SPD, die das richtige wollte, die aber nicht umgehen kann mit der Pyramidenarchitektur die sich herausbildet, selbst bei Gewerkschaften. Ein fantastischer Fokus auf den neuen Bundesländer ist es trotzdem.

<<Höma Dieter warum bis du eigentlich nicht auch inne Gewerkschaft gewesen, damals?>>

Dieter im privaten, persönlichen ein hoch solidarischer Mensch, den ich für seine Netzwerkfähigkeiten bewundert habe, für mich lag die Frage damals nah.

<<Ja ja, die ham mich damals auch unter Druck gesetzt. Wat bringt mir das? Die sitzen mitm Vorstand am Tisch, machen sich die Taschen voll und ich hab da nichts von, ausser weniger Geld.>>

Dieter war um die 60 als ich mit ihm drüber gesprochen habe, Betroffener vom Strukturwandel und er sollte Recht behalten, den Niedergang auch seiner Firma hätte auch eine Mitgliedschaft nicht verhindert. Ob die Abfindungen in seinem Fall ausgehandelt hatten, weiß ich nicht.

Es gibt natürlich die Perspektive: Was brauchen wir n Betriebsrat? Das macht mehr und extra Arbeit, ist mit Konflikt und Widerstand verbunden, ausserdem ist das Kollegium so gut, wir machen das im Grunde informell also formell und offiziell. Dieter gehörte auch zu den solidarisch handelnden informellen Netzwerkern in seinem Betrieb.

Ohne in Studien und auf Zahlen zu schauen kann es natürlich sein, dass die jetzt erkämpften Rechte für Arbeitnehmer ausreichen und die Attraktivität der Gewerkschaften abnimmt, da die Bereitschaft zum Jobwechsel ebenso gestiegen ist, wie die das Kriterium des kollegialen Klimas für das man bereit ist auf den ein oder anderen Euro zu verzichten. Ein Mentalitätswechsel bei der Generation der um die 30 Jährigen.

SPD wie Gewerkschafter sitzen mir zu lange oben an den Tischen um zu viele schädliche Kompromisse ein zu gehen und damit ihre Substanz, ihre Basis zu verlieren.

Diese Fähnlein im Winde der Macht, die es schafft auf noch jedes Ideal zu scheißen sei es bildungspolitisches, friedenspolitisches oder sozialpolitisches. Die verstärkt im Osten der natürlich soziologisch ein interessantes Feld ist verankern zu wollen, möchte ich den Bundesländern eigentlich ersparen.  Solidarität findet sich.

Ein negatives Beispiel der abgehobenen Strukturen, ist die Gutierung und Mitwirkung von Sozialversicherungsleistungen durch Privatanbieter, von Gerwerkschaftern. Ich lehne das im Fundament ab. Sozialversicherungen gehören nicht an die Börsen. Das ist ein Umlagesystem ohne Gewinnabsichten, diese pervertieren es.

Das Umlagesystem, angesiedelt beim Staat, jeder Sozialversicherung, in Deutschland würde funktionieren hätten wir eine gleichwertige Beteiligung, der Einkommensschichten.

Es geht sich hier um die großen Zyklen und im krisenhaften Abschwung, deine Versicherung bei einem Unternehmen liegen zu haben, dass Gewinne erwirtschaften muss und nicht nur die Funktion der Umlage leisten, wirst du auf die Einhaltung des Versprechens deine Pflege mit zu finanzieren lange warten können. Andere Interessen als die Funktion der Umlage zu bedienen also der des Gewinns, ist ein unsolidarischer Klotz am Bein. Der schlicht zum vermehrten verweigern der Leistungen führt. Gegen den Staat wirst du was ausrichten können, gegen mit allen Wassern gewaschenen börsennotierte Unternehmen, die sich juristisch auf Versicherungsleistungsverwehrung aufgestellt haben, weniger. Es gibt einen Unterschied zwischen Wachstum und Funktion erfüllen.

Auch dann nicht, wenn es, wie in Schweden, durch kluge langfristige Bluechip Anlagen, eine Zeit lang funktioniert. Ach Parti, warum nicht, lass die doch in Unternehmungen investieren, die haben da einen mega Hebel, wenn deren Fond aus Unternehmen die Anteile an Waffen oder Co2 emittierender Industrie oder Anteile an Glücksspielanbietern, Drogen also Pharma- und Alkoholproduzenten abziehen hat das n Effekt. Yeah, ne mein linkes Glaubensbekenntnis, erstreckt sich über die Idee, das Investitionen in eine Idee so nicht laufen sollten. Kannst du dein Gefühl belegen? Nope.

Wir haben die letzten Jahrzehnte eine wirklich miese zerstörerische Politik gehabt, neben der Plünderung der Rentenkassen unter Kohl und der Zerschlagung von Industrie durch die Treuhand, als Exekutionsvehikel westlicher Unternehmer die sich jeder aufschimmernden Konkurrenz durch diese entledigten. Plus der nicht gewährten Chance die Arbeitnehmer ihre Betriebe selbst führen zu lassen. In the long run hat euer Kapitalismus euch die Nazis in Form der AfD wieder gebracht.

Ihr dürft empört und wütend sein mit jedem Recht nur, das nach unten auf finanziell arme Minderheiten treten und wenn es nur ein Ventil online ist, das irgendwie noch provozieren kann, ist der falsche Kanal. Das Prinzip des bedrohlich Anderen oder unbekannten Fremden funktioniert in allen Gesellschaften gleich gut, Unzufriedenheit triggert die Feinbild Idee. Auch bei mir. Ich halte das Fundament der religiösen Idee, die in ihren gelebten Institutionen zur Solidarität führt für schädlich, da diese Idee durchdringen ist, gerade, wenn du die religiöse Idee im Kindesalter verankerst und diese Missbrauchst um nicht nur solidarisch in deiner lokalen Glaubensgemeinschaft zu sein sondern um ein politisches System zu legitimieren [christliche Parteien] oder Gewalt oder die Rolle der Frau oder das Verständnis von Sexualität [die Einhegung des Triebs] und ihrer angeblich illegitimen Ausformungen oder einige Tiere essen zu dürfen und andere nicht: Mir ist das zu willkürlich. Wobei historisch die ein oder andere Idee, wie das Zinsverbot oder das Fasten doch den ein oder anderen Blick wert sind.

Der halt der Gruppe [dein evolutionsbiologisches Überlebensfundament] die ein Glaubensfundament teilt, ist etwas sehr gesundes, schützenswertes [GG Art. 4] Nur, mein aufgeklärter Verstand wehrt sich gegen den Bullshit der zu einem Glaubensbekenntnis mit dazu gehört. Ohne, den Selbstbeschiss, die Frieden stiftende Lüge, zu Verleugnen, die im Heil der persönlichen Religiosität liegen kann, wenn man denn Opfer sehr viel leidvoller Erfahrungen war, geht es wohl schlechter.

Dieses persönliche mentale Halteseil auch geboren aus der Tatsache der Sterblichkeit, die du kennst da du schon mal nicht existiert hast, ist nun nicht unbedingt notwendig. Hast du schlechte Erinnerungen oder Gefühle aus der Zeit deiner NichtExistenz? Dem Toten ist das doch egal, was die Zurückgebliebenen egoistisch fühlen. Wir gestallten das Leben. Wie könnte ich jemandem eine andere Perspektive auf diese Sache verweigern. Gegen Gefühle kannst du nicht argumentieren sie sind da und wollen ausgelebt und akzeptiert werden, da passt die Rationalität nicht hin. Der emotional entlastende Perspektivwechsel will auch gut platziert sein.

Euch treibt ein Gefühl der Unzufriedenheit auf die Straße? Polizeigesetze, Artikel 13, Klima, der Ausländer? Bei dem was hier alles nicht läuft ist mir das fast schon wieder egal, warum. Euer Gefühl wird euch nicht trügen.

Wie ist das eigentlich mit den Gefühlen am Arbeitsplatz? Gut, dass wir aus Effizienzerwägungen heraus diese ausklammern.

Abschlusskundgebung

Oh, Vatergefühle und zerstückelte Kinder: Genau mein Humor, die Zunge könnte was schärfer sein aber manchmal Dropt ja jemand auch gute PunchLines von dem, man das eher weniger gewöhnt ist.

Oh, das Team um Klaas hatte eine gute Idee.

Bildungsbürgertum

Ah Schule oder besser Bildungseinrichtungen kein Ort, keine Strukturen über die weniger fachlich geschrieben und publiziert wurde.

Gerade auf dem Feld der Bildung hofft man ja auf, den schnell implementierten wissenschaftlichen Fortschritt bei der Frage, wie befähige ich junge Menschen zur Zufriedenheit.

Kaum ist man selbst raus, kann man sich schon wieder Gedanken machen, wie wohl der Bildungsweg der eigenen Kinder verlaufen kann und wo man diese ab Drei Jahren gut aufgehoben weiß. Gut je nach Biografie kann man zu Bildungseinrichtungen mehr oder weniger Abstand gewinnen aber betroffen ist man indirekt immer.

Gefühlt hört die Bildung nie auf, sie verschiebt sich auf andere Felder aber jede Erfahrung, jeder Perspektivwechsel, bildet etwas aus.

Fernab persönlicher Betroffenheit hab ich mir mal so grobe Eckpunkte gemerkt. Kleinere Klassen, gut besetztes und bezahltes Lehrerkollegium, dass nicht unbedingt verbeamtet sein muss aber auf keinen Fall als Saisonarbeiter einen Zeitvertrag der zu den Sommerferien gekündigt wird haben sollte. Gute Bezahlung und ein gutes Arbeitsklima zieht dir gute Leute an, wie überall. Nach Winnenden, die Idee einem Sozialarbeiter und einem Psychologen ne eigene Abteilung an jeder größeren Schule zu geben. Die sowohl ein Auge auf das Klima der Lehrer als auch der Schüler haben.

Jetzt sitz ich ja hier im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW und wir hatten nach längerer Zeit vor Laschet also der CDU Regierung mal die SPD die sich vor der Wahl auf die Wahlversprechensfahne geschrieben hatte: Wir wollen die Gesamtschule etablieren da dies nach Studienlage nun das sinnvollste sei, die inklusive Bildung.

Schluss mit der frühen Kategorisierung kindlich unreifen Individuen in Bezug auf eine Schulform.

Die Kritik an diesem Vorgehen geht ziemlich tief und schießt extrem auf die Idee, die wir glaubten überwunden zu haben die der Klassen, Stände und Schichtengesellschaften, die sich nur durch die Akkumulation von Kapital als Kriterium zum Fortkommen bezieht.

Die markantesten Sätze zu diesem Thema hatte, Hagen Rether gefunden, in dem er im Grunde alle anderen Länder um uns herum als Hauptschulländer klassifizierte. Er rückte also, wie sich herausstellen wird zu Recht, das dreigliedrige System auch in eine leicht rassistische Ecke. Ja es macht für die betroffenen Pädagogen/Lehrer mehr Arbeit und ist anstrengend Kinder, die nicht in ein genormtes Anspruchsraster passen, mit zu nehmen.

Wir sind nun in Europa nicht alleine und haben Möglichkeiten, uns die funktionierenden Lösungen anzuschauen, nicht nur auf dem Feld der Bildung, die Länder mit den selben Rahmenbedingungen, gefunden haben. Schweden wird dort gerne genannt. Als Linker hat man dann auch immer den Blick auf die Arbeitnehmer und die Kosten, Lohnzahlungen, dieser Faktor: des teuren gut ausgebildeten, zufriedenen, motivierten, Unterrichtsgestalter. Dieser Faktor ist in Schweden nun fernab der Konzepte für die Wissensvermittlung gelöst.

Natürlich ist es langweilig, das Problem auf Lohn und latenten Rassismus einzugrenzen, das klassische Einmaleins jeder linken Argumentation.

Ich halte ja niemanden für mutwillig zerstörerisch oder gar böse: Nervös und bewaffnet ja aber böse? Interessengeleitet und auf den Weg mit den geringsten Widerstand aus, der Gruppe und Linie entsprechend, opportunistisch, abwägend, Konflikt vermeidend und Interessen gleitet aber böse Landespolitiker haben wir dann doch nicht.

Halten wir es mit der interessengeleiteten Politik die nicht im Sinne der ökonomisch Befähigten und Wortstarken hält.

Für meine Bewertungen reicht mir meine Bauernschläue und einfache Muster aus der Beobachtung gezogen. Ich irre mich da empor. Natürlich gibt es exzellente Lehrer und Schulleitungen und jede Schule egal welcher Form ist ein eigenes soziologische Biotop, das Eltern glauben über die Jahre in ihrer Struktur kennen zu lernen und als gut oder schlecht für andere zu bewerten.

Und hier schlagen die individuellen Faktoren zu, die eine Bildungseinrichtung ausmachen.

Wir haben die einzelne Schulformen eingebettet in die Kommune, eine Schülerschaft, eine Elternschaft, eine Lehrerschaft und natürlich die Schulleitungen. Also je nach Konstitution sehr viele Gruppen mit Interessen und oben drauf setzen wir die Landespolitik die da Ausgleich schaffen und was viel anspruchsvoller ist Strukturvorgaben machen soll. Also so in etwa das letzte Feld auf dem man sich als Landespolitiker umtun möchte und das in dem bevölkerungsreichsten Bundesland, NRW.

Wenn du da substanziell was ändern willst brauchst du n dickes Fell.

Ich kürz das Ganze jetzt mal was ab: Die SPD vor Laschet wollte die Gesamtschule, dort wo am wenigsten Widerstand zu erwarten war, war bei den Förderschulen, hat man dann also begonnen. Die haben sie angefangen dicht zu machen. Also bei den Kranken- und Schwachen und jener Schulform die mehrheitlich den Schülern genau das bietet was man sich für die anderen Schulformen wünscht: Die Fähigkeit mit komplizierten mehrdimensionalen Problemstellungen zugeschnitten umzugehen. Die einzige Schulform bei der ich sagen würde, okay lass und die mal noch bis zu Letzt behalten auch wenn wir mehrheitlich die Gesamtschulen etabliert haben. Was glaubt ihr was in städtischen Gebieten los ist, wenn man dem gut verdienen „Bildungsbürgertum“ das Gymnasium wegnimmt. Die Proteste dieser Schicht überlebst du als Landespolitiker nicht. Da ist Kampf und Wettrennen angesagt, um die Kinder bestmöglich in und durch die Uni zu bekommen um einen guten Platz am kapitalistischen SchweineTrog zu ergattern. Im Glauben hier läge das Ziel für ein zufriedenes oder gar erfolgreiches, gelingendes Leben. So stirbt uns das Handwerk mit goldenem Boden weg, was hervorragend skalierbar ist.